Laurent Sureau bei der Vorbereitung für PRELUDE-SUITE for Cello N°1- G Maj BWV 1007 - J.S. BACH

Klassische Musik auf Handpans? Laurent Sureau kann das! (03/2019)

Als ich den Titel des folgenden Videos las, war ich sofort überrascht. Der Name eines klassischen Musikstücks gemeinsam mit dem Namen eines bekannten Handpanspielers? Wie kann das sein? Was steckt dahinter?

"PRELUDE-SUITE for Cello N°1- G Maj" BWV 1007 - J.S. BACH - Laurent SUREAU - Hang & Handpans

Laurent Sureau bei der Vorbereitung für PRELUDE-SUITE for Cello N°1- G Maj BWV 1007 - J.S. BACH
Laurent Sureau bei der Vorbereitung für PRELUDE-SUITE for Cello N°1- G Maj BWV 1007 - J.S. BACH - Foto: Morgane Ji / Faune Box

Das ist der ziemlich lange Titel des Videos, mit dem Laurent Sureau sein Ziel erreicht hat, klassische Musik für mehrere Handpans zu adaptieren. Es ist die erste von sechs Suiten, die Johann Sebastian Bach Anfang des 18. Jahrhunderts komponierte und wahrscheinlich das bekannteste Stück dieses Zyklus.

Da die Adaption klassischer Musik für die Handpan bisher absolut einzigartig ist, wollte ich von Laurent wissen, wie er auf diese Idee kam und welche Hürden er bei der Umsetzung nehmen musste. Die Antworten darauf findest du im Interview unter dem Video.

Weitere Versionen von "PRELUDE-SUITE for Cello N°1

Das Origional gespielt auf einem Cello

Original Prelude Suite 1 von Yo-Yo Ma
Die gesamte Suite 1 von Mischa Maisky

Eine besondere Version gespielt auf 8 Cellos

Exkurs: Wer ist der Handpanspieler Laurent Sureau?

Laurent wuchs in einer musikalischen Familie auf und seine Leidenschaft für die Musik begann früh. Im Alter von 6 Jahren begann er Klavier zu lernen, dann erweiterte er seine Fähigkeiten durch das Studium der Perkussion: zuerst klassisch und zeitgenössisch (Pauken, Vibraphon, etc.), dann Drums von verschiedenen Kontinenten (Congas, Cajon, westafrikanischer Balafon) und Schlagzeug, chromatischer Balafon, das Hang.

Laurent begann 2008 mit dem Studium der Gesangstechnik, um seine Arbeit in der Mayaelo-Gruppe weiterzuentwickeln.

Seine Neugierde und Entdeckungsfreude hat ihn immer wieder dazu gebracht, sich durch improvisierte, verstärkte und experimentelle Musik auszudrücken.

Er genießt es, alle Aspekte der Musik zu kombinieren, vom Gesang bis zur Körperpercussion und nutzt seinen vielseitigen Hintergrund der musikalischen Fähigkeiten, um zu erforschen, wie es möglich ist, Geschmacksrichtungen zu kombinieren. Durch eine Vielzahl von Begegnungen in seinem Leben hat Laurent eine sehr individuelle musikalische Identität geschaffen.

Als Absolvent des französischen Konservatoriums (Goldmedaille und DEM) zeichnet sich Laurent durch hervorragende Leistungen in der schriftlichen Musik aus. Praktika, Meisterkurse und Reisen haben ihn dazu veranlasst, mündliche Traditionen und improvisierte Musik zu integrieren, so dass er mit Freude Brücken zwischen verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen geschlagen hat.

Die Freude am Teilen und die Lust an Neuem führten ihn dazu, in Gruppen mit sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen zu reisen und aufzutreten und andere Künstler bei ihren Projekten auf der Bühne oder im Studio zu begleiten. Dazu gehört unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Tempo Primo Symphonieorchester, dem Ars Nova Bläserquintett, der großen Rateau Big Band, Bill Banquise, Dine et Deon, Cordéone, Olivier Carole Ensemble, Doro’t, Sale Petit Bonhomme, Rauni, Siko, Imad Saleh, Nour, Bebey Youla, Alama Kante, Dave Golitin, Pablo Mendez, Matthieu Metzger, Thomas Grimmonprez und Christophe Lardeau.

Derzeit tritt er als Mitglied von Mayaëlo, OLOJi, TwinPan und Morgane Ji live auf.

In Bezug auf den Unterricht: Laurent studierte Pädagogik mit dem Wunsch, seine Leidenschaft für die Musik zu teilen. Sein Hauptziel ist es, anderen zu ermöglichen, ihren eigenen musikalischen Weg zu finden.

Unter anderem studierte er am CEFEDEM in Poitiers, wo er 1997 das Nationale Diplom für Musikausbildung und Perkussion erhielt. Dann lehrte er bei CRD Chateauroux, CRR Poitiers und bei Mamady Keïta’s „Tam Tam Tam Mandingue Poitiers“ School of African Arts.

Im Jahr 2001 führte die weitere Forschung und sein sich entwickelndes musikalisches Profil dazu, dass er die Qualifikation als Koordinator/Lehrer für zeitgenössische verstärkte Musik erwarb, was zu einem sehr eklektischen und persönlichen Bildungsprojekt führte.

Interview mit Laurent Sureau über die Adaption klassischer Musik für die Handpans

Hi Laurent, vielen Dank für diese wunderschöne Adaption. Sag mal, wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen klassische Musik auf der Handpan zu spielen?

Ich wachte eines Morgens mit der Idee auf, dass es möglich wäre, klassische Musikstücke auf einem Set an Handpans zu spielen. Ich glaube, ich habe sogar davon geträumt.

Ja das klingt ganz hervorragend. Und wie hast du begonnen deinen Traum umzusetzen?

Ich habe das Stück zunächst auf dem Klavier und der Marimba entziffert. Dann habe ich die Lebensentscheidung getroffen, das Ziel zu verfolgen klassische Musik auf Handpans zu spielen.

Wie meinst du das Lebensentscheidung?

Naja, ich musste erstmal mein Budget aufbessern, um mir die Handpans kaufen zu können, die ich noch brauchte. Ich hatte ja nicht genügend Handpans, um alle Töne zu spielen, die ich benötigte um das Stück auf Handpans zu spielen. Nach und nach bin ich meinen Ziel näher gekommen. Ich arbeite daran ja schon seit 2006. Ab 2014 hatte ich dann die Möglichkeit einige Handpan Hersteller zu treffen. Sie glaubten an mich und mein Ziel und ich konnte bei Ihnen die Instrumente bauen lassen, die ich brauchte.

Mit der Zeit kam so folgendes Set zusammen mit dem ich auch das Stück „PRELUDE-SUITE for Cello N°1- G Maj“ eingespielt habe: ein Hang erster Generation und ein Hang zweiter Generation, eine Ayasa Anahata, zwei Aciel und eine Symphonic Steel Handpan. Das Set hat sich allerdings allmählich verändert. Mittlerweile spiele ich auch auf anderen Handpans.

Wow, das ist ein wunderbares Set an Handpans. Sicherlich ist es nicht einfach zu spielen? Welchen Schwierigkeiten bist du bei der Aufnahme begegnet?

Ich habe das Stück zu Hause in meinem Studio aufgenommen. Gemeinsam mit dem wunderbaren Soundingenieur Alexandre Chaigne.

Eine große Aufgabe am Anfang war es, den passenden Aufbau der Handpans herauszufinden. Wo muss welche Handpan hin und welches Tonfeld muss wohin zeigen, damit es mir möglich ist das Stück korrekt zu spielen. Das alleine hat schon ca. 3 Wochen gedauert.

Danach brauchte ich weitere 3 Wochen um das Stück auswendig zu lernen.

Man muss sagen, dass die Handpans nicht dafür gemacht wurden, diese Art von Musik zu spielen. Und auch ich spiele das Instrument lieber in meinem Schoß. Aber als ich bemerkte, dass es möglich ist, war meine Entdeckungslust und meine Experimentierfreudigkeit geweckt. So bin ich einfach!

Ich freue mich, dass du dein Ziel erreicht hast. Wie kam deine Adaption denn beim Publikum an?

Ich habe dieses Stück zum ersten Mal am Ende eines Konzerts, das ich gemeinsam mit meinem Freund Jeremy Nattagh als TwinPan gegeben habe! Es war unglaublich intensiv, viele Emotionen! Es ist schon passiert, dass ich gesehen habe, wie Menschen beim Hören der ersten Töne in Tränen ausbrachen!

Was mir am besten gefällt, ist es, diese Stücke des Repertoires mit dieser Art von Sound zu hören und meine eigenen Grenzen zu überschreiten, denn ich bin sicher, dass sie nur existieren, weil wir denken, dass sie da sind!

Außerdem findet man dieses Stück in meinem Album „Unlimited„, inmitten anderer Kompositionen und einer weiteren Adaption eines klassisches Stückes, „1ère Gymnopédie“ von Erik Satie.

Das ist wirklich auch ein sehr schönes Stück! Was ist denn für dich das Schwierigste bei der Adaption klassischer Stücke für die Handpan?

Am schwierigsten bei den Adaptionen klassischer Musik für Handpans für mich, ist es, das Stück genau so zu spielen, wie es komponiert wurde. Manchmal möchte ich es etwas anders spielen. Ich verspüre immer wieder die Lust bei einigen Teilen des Stücks zu improvisieren. Ab und zu lass ich mich treiben und nehme mir die Freiheit zu improvisieren, auch auf Konzerten. Das ist immer davon abhängig, wie ich mich fühle.

Vielen Dank für den wunderbaren Einblick in deine Arbeit und viel Spaß und Erfolg mit deiner Musik weiterhin!

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf eine weitere Adaption eines klassischen Stücks durch Laurent Sureau für Handpans aufmerksam machen.

Prelude BWV 846 - JS Bach gespielt von Laurent Sureau auf Handpans

1 Kommentar zu „Klassische Musik auf Handpans? Laurent Sureau kann das! (03/2019)“

  1. Michaela Hezel

    Wow, damit wären die Handpans in den heiligen Gral der klassischen Musik gehoben worden! Toller Musiker, der Laurent Sureau!!!! Michaela aus Belgien

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