Geschichte und Entstehung

Handpan Geschichte und Entstehung der wundervollen Instrumente und einer neuen Klangwelt

Ich möchte hier die Handpan Geschichte erzählen: Wie eine wundervolle Idee aus der Mitte Europas nach und nach mit ihrer wundervollen Klangwelt die ganze Welt eroberte und die Handpan entstanden ist.

Was ist eine Handpan?

Die Handpan Geschichte ist noch sehr kurz und die Handpan ist damit ein relativ junges Musikinstrument, das aufgrund seines außergewöhnlichen Klangs und seiner Einsteigerfreundlichkeit in den letzten 17 Jahren sehr beliebt wurde. Eine Handpan besteht aus zwei aufeinandergesetzten Metallhalbkugel, die miteinander verbunden sind. Wobei die obere Hälfte die Tonfelder trägt und die untere Hälfte eine Öffnung zur besseren Resonanz hat.

Handpan Geschichte - PanArt - Freies Integrales Hang
PanArt – Freies Integrales Hang

Das Foto auf der rechten Seite zeigt ein Freies Integrales Hang der Firma PanArt (PanArt hat das Instrument erfunden). Sie haben auch den Namen Hang erfunden. Da es ein gesicherter Name ist, darf nicht jede Handpan Hang heißen. Handpan ist sozusagen der Oberbegriff der Instrumente. Hang ist der spezielle Name für die Handpans von PanArt. Wenn du mehr über PanArt lesen möchtest, schau in die Rubrik Hersteller.

Die Töne der Handpan

Auf der oberen Halbkugel werden sieben, acht oder auch manchmal mehr Klangfelder (auch Tonfelder) und das Ding eingearbeitet. Das Ding befindet sich in der Mittel und ist der tiefste Ton einer Handpan. Dieser Ton ist nach seinem Klang benannt. Schlägt man ihn an, erklingt ein Ding-Sound. Die einzelnen Klangfelder einer Handpan befinden sich im Klangring (auch Chor).

Auf der unteren Seite der Handpan befindet sich das Gu. Bei einigen speziellen Handpan-Modellen findet man auch auf der Unterseite Klangfelder. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Das Gu ist eine etwa handflächengroße, nach innen gewölbte Resonanzöffnung.

Es würde noch sehr viel musiktheoretisches über die Töne der Handpans zu sagen geben. Ich schlage allerdings erstmal vor, schau in der Rubrik Video der Woche vorbei und genieße die Videos und Musikstücke, die ich dort verlinkt habe.

Die Entstehung der ersten Handpan – Das Hang kommt auf die Welt

Die Steelpan in der Schweiz

Steelpan
Steelpan

Wenn man möchte, kann man sagen, dass die Handpan Geschichte  in den 70er Jahren in der Schweiz beginnt. Schon seit 1976 beschäftigt sich der Schweizer Fellix Rohner mit der Herstellung von Steelpans. Diese Instrumente waren damals in der Schweiz sehr beliebt. Nach einigen Jahren machte Felix Rohner seine Passion zum Beruf. Er gründete 1985 die Steelpanmanufaktur Bern und erschuf seitdem hauptberuflich Stahlinstrumente.

Über die folgenden acht Jahre versorgte er mit seinen Instrumenten viele Steelbands im deutschsprachigen Raum der Schweiz. Die Erfahrungen, die Felix Rohner bei der Herstellung der Steelpans machte, die Analyse besonders hochwertiger Instrumente z.B. aus den USA sowie die Zusammenarbeit mit Steelpan-Hersteller*innen aus ganz Europa ließen ihn erkennen, dass das Rohmaterial, der Stahl, aus dem die Pans sind, essentiell für die Qualität der Instrumente ist.

Damals nutzte man gebrauchte Stahlgebinde, um Pans herzustellen. Dadurch war die Qualität eines Instruments dem Zufall unterworfen. Um den Erfolg seiner Instrumente nicht mehr diesem Zufall zu überlassen, beschäftigte sich die Steelmanufaktur Bern mit der Erforschung geeigneter Materialien. Um diese Arbeiten zu finanzieren und in einem geordneten Rahmen stattfinden zu lassen, gründete Felix Rohner 1993 die PANArt Steelpanmanufaktur AG Bern. Neben der Forschung an dem Rohmaterial der Steelpans, wie z.B. Tiefziehstahl, DP-Stahl, Feinkorn-Stahl, konzentrierte sich PanArt dann auch immer mehr auf die Akustikforschung.

Von der Steelpan zur Pang

In dieser Zeit schaffte es Felix Rohner Vertreter aus der deutschen Stahlindustrie und der internationalen Wissenschaft an einen Tisch zu bringen und gemeinsam an der für die Stahlinstrumente relevanten Forschung zu arbeiten. Den bis dato größten Erfolg errungen sie mit einem Verfahren zum Härten des Stahls für Blechklanginstrumente. Dieses Verfahren nannten sie Gasnitrieren und meldeten es 1998 zum Patent an. Durch das Gasnitrieren in einer Ammoniak-Atmosphäre bei leichtem Überdruck wird ein Blech hergestellt, bei dem der weichere Kern durch eine härtere Außenschicht umgeben ist. Damit ist ein großer Meilenstein in der Handpan Geschichte erreicht.

Durch die intensive Forschung sind neben neuen Materialien auch neue Werkzeuge entstanden. Dabei entstand ein Werkzeug, das das Tiefziehen der Rohformen für den Panbau ermöglichte. PanArt nannte die Instrumente, die durch die neuen Verfahren, Materialien und Werkzeuge entstanden Pang-Instrumente. Dieser Instrumentenfamilie sind die Instrumente Ping, Pong, Orage, Pung, Pangglocke, Peng, Doppelpeng, Tubal und schließlich auch das Hang zuzuordnen.

Das Pang-Instrumentarium im Jahr 2000: 1. Ping, 2. Pong, 3. Orage, 4. Pung, 5. Pangglocke, 6. Doppelpeng, 7. Peng, 8. Tubal, 9. Hang © Copyright by PANArt
Das Pang-Instrumentarium im Jahr 2000: 1. Ping, 2. Pong, 3. Orage, 4. Pung, 5. Pangglocke, 6. Doppelpeng, 7. Peng, 8. Tubal, 9. Hang © Copyright by PANArt

Die erste Generation

Das Herstellen der Pang-Instrumente und der Entdeckerdrang von PanArt führten schließlich dazu, dass man die Eigenschaften von Pang-Schalen und der Gatham in einem neuen Instrument vereinte und damit einen weiteren großen Schritt in der Handpan Geschichte machte. Im Jahr 2000 erblickte so das erste Hang das Licht der Welt.

Kurz darauf wurde sie offiziell auf der Musikmesse Frankfurt von Felix Rohner und Sabina Schärer vorgestellt. Daraufhin konzentrierten sich die Hangerfinder*innen ausschließlich auf den Bau des neuen Instruments und stellten den Bau von Steelpans und weiteren Pang Instrumenten ein. Das Hang wurde stetig weiterentwickelt und über ausgewählte Händler*innen lediglich an eine kleine Kundengruppe verkauft. Diese Exklusivität gepaart mit dem einmaligen Klang dieses neuen Instruments begründet die unglaubliche Laufbahn des Hang. Mittlerweile wurde auch die Firma umbenannt. Der Fokus auf das neue Instrument spiegelte sich ab 2003 im neuen Namen PanArt Hangbau AG wider.

Die erste Generation der Instrumente wurde von 2000 bis 2006 gebaut. Anfänglich wurden ungefähr 30 verschiedene Stimmungen angeboten. Die stetige Weiterentwicklung und die hohe Nachfrage führten dazu, dass nach einigen Jahren ca. 45 Klangmodelle zur Verfügung standen und innerhalb von fünf Jahren 4300 Instrumente verkauft wurden.

Da sich die Kunden die Stimmung ihres Hang selber aussuchen konnten und auch neue Wünsche äußern durften, wurde schnell klar, dass sich viele nach einem tiefer gestimmten Ding sehnten. Diesen Wunsch erfüllte PanArt mit dem Low Hang.  Durch einen Weiterentwicklung des Bau- und Stimmprozesses, bei dem die Instrumente nun mehrmals im Ofen erhitzt wurden, war es möglich die Spannung der Klangfelder direkter zu kontrollieren und so eine tiefere Stimmung zu ermöglichen.

Die zweite Generation

Der Weiterentwicklungsprozess des Hang hielt an und so wurde kurz nach dem Low Hang bereits 2006 die neue Generation des Instrument von Felix Rohner und Sabina Schärer vorgestellt. Diese Generation unterscheidet sich von der ersten unter anderem darin, dass Messing zunächst auf die Halbschalen aufgebürstet und dann im Ofen eingebrannt wurde. Zusätzlich nutzten sie das Messing auch, um die Naht, die Stelle an der die beiden Halbschalen aneinander geklebt sind, zu umhüllen.

Neben dem Aufbringen von Messing änderte sich durch eine Weiterentwicklung der zweiten Generation ab 2007 ein weiterer wichtiger Aspekt an dem Instrument. Die Klangfelder wurden nun in einem Winkel von 45° zum Radius des Instruments eingehämmert. Der weiterhin bestehende Wunsch, das Hang tiefer zu stimmen, führte zu größeren Klangelfder und damit wiederum dazu, dass das Hang vorrangig mit sieben Klangfelder im Chor gebaut wurde. Denn um tiefere Töne zu erzeugen, werden größere Klangfelder benötigt.

Vertrieb und Kauf des Hang der zweiten Generation

Mit der zweiten Generation des Hang änderte PanArt den Verkauf der Instrument grundsätzlich. Bis dato setzten sie beim Vertrieb die Instrumente auf ein internationales Netz ausgewählter Händler. Unter anderem, um mit dem großen Ansturm auf die Instrumente umgehen zu können, entschieden sie sich dafür die Hangs nur noch nach vorheriger Anmeldung und persönlichem Besuch in Bern zu verkaufen. Diese Entscheidung prägte die Handpan Geschichte so stark, dass sich diese Vertriebsart bis heute kaum geändert hat.

Bei diesem Besuch hatte man dann die Chance mehrere Instrumente zu spielen und sich ein Hang auszusuchen, die zu einem passt. Auf diese Weise wurden in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 826 Hangs der zweiten Generation verkauft.

Integrales Hang

Wie du dir sicher vorstellen kannst, haben PanArt weiter am Instrumentenbau geforscht, die Handpan Geschichte vorangetrieben und wenige Jahre nach der Entwicklung der zweiten Hang Generation eine neue Version vorgestellt. PanArt widmete sich dem Thema Harmonie der in der Hang eingehämmerten Töne und präsentierte als Ergebnis das Integrale Hang, welches ein Ding in D3 mit sieben Klangfeldern in A3, B3, C4, D4, E4, F4, und A4 im Chor vereint.

Zusätzliche wurde das Gu oval und es bekam drei Teiltöne D5, F5 und Fis5 eingestimmt. Andere Klangmodelle wurden in dieser Generation nicht angeboten. Neben den Änderungen an den Klangfeldern, die PanArt mittlerweile Stimmen nannte, verzichtete man auch auf das Aufbringen und Einbrennen von Messing. Lediglich das Ding, welches in dieser Hanggeneration eine Art Kuppel in der Kuppel erhielt, und die Naht behielten die Messingbeschichtung. Auf dem restliche Teil des Instruments entstand im Brennofen eine Oxidschicht, die dazu in der Lage ist, kleinere Oberflächenverletzungen wieder zu schließen

PanArt Hang Geschichte: Die verschiedenen Hang Generationen
Die verschiedenen Hang Generationen

Freies Integrales Hang

Mit der freien integralen Hang brachte PanArt ein noch schlichteres Instrument hervor. Man verzichtete nicht nur darauf Messing auf das Instrument aufzubringen, sondern auch die Einfassung der Naht war nicht mehr aus Messing. Das spiegelt die Fokussierung auf den Klang des Hang wider.

Das Ding wurde zusätzlich zweifach abgesetzt und so entstand die sogenannte Dreifachkuppel. Allerdings ist hier zu beachten, dass die ersten freien integralen Hang noch aus den Rohformen des integralen Hang gebaut wurden. In den Jahren 2009 und 2010 entstanden die neuen Instrumente teilweise noch mit Messingding und -einfassung sowie der Dingform des integralen Hang. Im Laufe des Jahres 2010 wurde dann auf das Messing verzichtet und der einzige sichtbare Unterschied zu der neuen Rohform war die Form des Ding.

Soviel zu den Formunterschieden zum Vorgänger. Viel interessanter ist allerdings, dass sich der Einstimmprozess grundlegend änderte. Felix Rohner und Sabina Schärer verbannten technische Stimmgeräte aus ihrer Werkstatt. Lediglich ihre jahrelange Erfahrung, ihr Gehör und innere Resonanz halfen ihnen das Hang einzustimmen.

Das führte natürlich auch dazu, dass die Tonhöhe des Ding nicht mehr genau festgelegt werden konnte. Das Ding stimmte PanArt weiterhin in D3, aber eben nicht mehr zu 100% genau. Vielmehr kann man sagen, das Ding varierte leicht um D3 herum. Die Stimmen aus dem Chor wurden dann relativ zum DIng eingestimmt und entsprachen denen der integralen Hang.

Das freie Integrale Hang ist keine Trommel

Mit der freien integralen Hang schuf PanArt ein Instrument, welches explizit nicht als Trommel verstanden werden sollte. Vielmehr wurde ein neues Instrument geschaffen, welches frei von vorher Erlerntem gespielt wird. In einem Zitat aus einem Brief von Sabina Schärer und Felix Rohner aus dem Jahre 2009 wird das sehr deutlich:

“Das Freie Integrale Hang bauen wir für Menschen, die in einer gehörig heiß laufenden Welt sich nach Gleichgewicht und nach innerer Ruhe sehnen. Unsre Arbeit ist nicht auf musikalische Normen ausgerichtet, welche Studium, Übung und Leistung fordern. Hangspiel kann zu einer Form der Freiheit führen, die sich jedem Druck und jeder Nötigung widersetzt. Individuen, die sich dessen bewußt sind, werden durch das Hangspiel gestärkt. Gedankenloser Gebrauch kann hingegen schwächen.”

Wie schätzen die Erfinder*innen die Entwicklung des Hangs ein?

Ich habe vor kurzem das Buch “hang Sound Sculpture” von PANArt gelesen und darin einen sehr schönen Textabschnitt zu der Entwicklug des Instruments aus Sicht von Felix und Sabrina gefunden, den ich folgend frei übersetzt habe:

“Das Hang verbreitete sich sofort auf der ganzen Welt. Die Resonanz auf das neue Instrument war überwältigend und konnte nicht gestoppt werden. Das war nicht nur für uns Schöpfer eine Überraschung. Nach Jahren der “stillen” und einsamen Arbeit in der Engehalde tauchten immer mehr Menschen aus aller Welt auf.

Leute, die das Hang irgendwo gehört hatten und sich eins kaufen wollten. Das Instrument schien die Menschen direkt und so tief zu berühren, dass sie den Klang nicht vergessen konnten. Sie wollten es noch einmal hören und sogar selbst reproduzieren. Die scheinbar einfache Handhabung ermutigte auch Menschen, die noch nie zuvor in ihrem Leben Musik gemacht hatten, das Hang zu spielen. Keine Technik, keine Vorkenntnisse, kein Unterricht, keine Lehrer – nur die Neugier und die Freude am Entdecken und Spielen.”

Ich finde gerade der letzte Satz sagt viel über die schnelle Verbreitung der Handpans über die ganze Welt aus.