Kalimba -
Ratgeber zum Musikinstrument

Geschichte, Herstellung, Modelle und mehr

In diesem Ratgeber lernst du, was eine Kalimba ist, wie sie klingt und wie sie gespielt wird.

Kalimba Musikinstrument

Alles über die Kalimba

Autor: Milan Serwene | letzte Aktualisierung: 5. Mai 2022

Die Kalimba ist ein Lamellophon, das aus Afrika stammt. Sie gehört wie die Handpan, Ghatam und Steel Pan zur Instrumentenkategorie der Idiophone (Selbstklinger). Das kleine Instrument wird meistens mit dem Daumen gezupft. Deshalb wird es auch gerne Daumenklavier genannt.

Der Begriff Kalimba wird aber auch als Oberbegriff für eine Reihe von Instrumenten verwendet, die ähnlich aufgebaut sind.

In diesem Ratgeber findest du alle wichtigen Informationen über die Kalimba wie ihre Geschichte, verschiedene Modelle und andere wichtige Fakten.

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Du findest folgende Themen in diesem Ratgeber:

Inhalte

Was ist eine Kalimba?

Die Kalimba ist ein außergewöhnliches Musikinstrument, das noch die wenigsten Menschen bei uns kennen. Es ist afrikanischer Herkunft und gehört zu den Selbstklingern, den sogenannten Idiophonen, speziell zu den Zupfidiophonen. Darüber hinaus gehört die Kalimba auch zu den Lamellophonen, da sie für die Tonerzeugung Lamellen besitzt.

Das Musikinstrument finden wir unter anderem im Jazz und als Begleitinstrument in vielen Bands. Toto hatte die Kalimba zum Beispiel im Song “Afrika” verwendet. Ebenso ist es möglich, mit einer Kalimba als Solist*in ein wunderbares Musikstück zu spielen.

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Aufbau der Kalimba

Die Kalimba besteht aus einem Brett mit einem Hohlkörper oder einem Holzkasten als Resonanzkörper und ist ungefähr so groß wie ein Buch. Sie kann einfach in der Hand gespielt werden. Der Resonanzkörper, der sehr unterschiedliche Formen aufweisen kann, ist auf der Oberseite mit einem Schallloch versehen. Es gibt auch Resonanzkörper aus Glas oder Acryl.

Auf der Oberseite des Resonanzkörpers sind Lamellen befestigt, die meist aus Metall bestehen. Sie nennen sich in der Fachsprache Klangzungen. Die ersten Versionen der Kalimba waren mit Bambus-, Zuckerrohr- oder Holzlamellen bestückt.

Eine Kalimba kann 7 bis 56 Klangzungen besitzen. Traditionelle Kalimbas verfügen über 28 Klangzungen.

Die Zungen sind meist so angeordnet, dass sich in der Mitte die längste der Zungen befindet. Sie erzeugt den tiefsten Ton. Die restlichen Klangzungen sind rechts und links davon angebracht und werden nach außen hin immer kürzer.

Geschichte und Herkunft der Kalimba

Die Kalimba stammt aus Afrika, aus dem Staat Malawi. Ähnliche Instrumente heißen in anderen afrikanischen Ländern Likembe, Zanza, Mbira oder Nsansi.

Die Mbira gibt es zum Beispiel bei den Shona in Simbabwe, die Nsansi bei den Nyungwe in Mosambik, die Likembe im zentralen Afrika und die Zanza bei den Bena Luluwa in West-Kasai. Im Südosten Tansanias bei den Makonde gibt es die Luliimba, in Uganda die Kadongo und in Kamerun die Timbrh.

Die Resonanzkörper der ersten Kalimbas bestanden aus hohlen Flaschenkürbissen, Schildkrötenpanzern oder Kokosnusshälften. Noch heute werden sie in Afrika so hergestellt. 

Auch die Materialien der Klangzungen können variieren. Von Löffeln über Gabeln bis hin zu Fahrradspeichen und Raphia-Blattstielen ist alles möglich. Auf manchen Zungen sind sogar Kronkorken befestigt, sodass die Kalimba einen rasselähnlichen Klang erhält.

Ein Musikstudent entdeckte die Kalimba in den 80er-Jahren für sich und beschloss von da an die Instrumente selbst zu produzieren. Er nutzte allerdings Kirschholz und Metall. Heute bestehen viele Kalimba-Resonanzkörper aus Rosenholz.

Verschiedene Modelle der Kalimba

Kalimbas gibt es in unterschiedlichen Stimmungen wie F-Moll, C-Dur oder A-Dur.

Bei den Moll-Tonarten schwingt immer ein Hauch von Melancholie mit. Die Dur-Stimmungen werden von vielen Menschen als fröhlich anmutend empfunden. Aber auch die Moll-Tonarten können Power haben, beispielsweise beginnt “Smells Like Teen Spirit” von Nirvana mit einem F-Moll-Riff.

Die Kalimba gibt es in zahlreichen Formen und Ausführungen.

Beispielsweise wurde die traditionelle Mbira in Afrika wiederentdeckt. Ebenso gibt es verschiedene Weiterentwicklungen wie die Sansula und Karimbula sowie die Marimbula aus Kuba.

Mbira

Die Mbira ist eine Version, die aus einem massiven Holzbrettchen besteht und je nach Ethnie und Religion 7 bis 28 Metallzungen besitzt. Für den Resonanzkörper der Mbira kommen traditionell Schildkrötenpanzer oder Kalebasse (Flaschenkürbis) zum Einsatz, aber manchmal auch eine Kunststoffschale. Häufig wird auch ein 15 bis 20 cm langes, halbrundes Bambusrohr verwendet, das an seinen Schnittflächen Holzeinlagen besitzt. Als Zungen werden alle Materialien verwendet, die aufgetrieben werden können, wie Löffelstiele, Metallscheiben und Kronkorken.

Bei den Shona in Simbabwe gibt es eine Spezialform der Mbira. Sie heißt Mbira dza vadzimu. Sie ist etwas größer und verfügt über 21 Lamellen, die etwas breiter sind. An der Vorderseite des Instrumentes sind traditionell Bruchstücke von Schneckengehäusen befestigt, um ein schnarrendes Geräusch beim Spielen zu erhalten. So können sich die Stammesmitglieder bei religiösen Zeremonien besser in Trance versetzen.

Häufig wird die Mbira auch in die Unterhaltungsmusik in Simbabwe einbezogen. Bekannte Interpreten sich beispielsweise Hakurutwe Mude, Stella Chiweshe, Maurice White (Earth, Wind & Fire), Dumisani Maraire und Ephat Mujuru.

Sansula

Die Sansula wurde 2001 von Peter Hokema entwickelt und patentiert. Er ist ein deutscher Instrumentenbauer und Musiker. Eine klassische Sansula ist pentatonisch gestimmt und verfügt über 11 Lamellen. Sie besteht aus einem Holzring, der mit einem Trommelfell bespannt ist, ähnlich wie bei einer Rahmentrommel. Darauf befindet sich der Resonanzkörper der Kalimba. Die Konstruktion hat einen verbesserten, raumerfüllenderen Klang als eine normale Kalimba. Der Klang lässt sich durch leichtes seitliches Absenken und Anheben des Rahmens modulieren, wenn das Instrument auf dem Tisch stehend gespielt wird.

Sansula Musikinstrument

Kalimbula

Dieses Instrument wurde von Jens Rabenseifner (Hands on Drums), einem Schlagzeuger und Keramiker, in Anlehnung an die Nutzung und Bauweise einer Mbira entwickelt. Der Resonanzkörper besteht hierbei aus einem nicht gesinterten Keramikkörper, der wie eine Schale geformt ist. Darauf ist ein sehr dünnes Sperrholzbrettchen montiert, auf dem sich die Lamellen befinden.

Marimbula

Die kubanische Marimbula ist eine Bass-Version der Kalimba und wird auch “Urbass der Karibik” genannt.

Von ihrer Bauweise her erinnert sie an eine große Kalimba. Sie besteht aus einer hockergroßen Holzkiste. Auf ihrer Vorderseite sind in der Nähe des Schalllochs 8 Metalllamellen angebracht. Die Lamellen werden entweder mit Schlägeln angeschlagen oder gezupft.

Aufgrund ihrer leichten Spielbarkeit und ihrer gut spürbaren Klangvibration findet sie auch bei uns zum Beispiel in der Musiktherapie und Musikpädagogik Verwendung.

Wie klingt ein Daumenklavier und wie wird es gespielt?

Eine Kalimba erzeugt angenehm warme Töne. Sie lässt sich mit Daumen oder Zeigefinger spielen und ist leicht erlernbar.

Wie klingt eine Kalimba?

Durch das Zupfen der Lamellen der Kalimba entstehen exotische, komplexe Töne, die über eine einzigartige Klangfarbe verfügen. Die angenehm warmen Klanglandschaften laden zum Träumen ein und werden gerne zum Meditieren und Yoga eingesetzt. 

Dabei hat die Länge der Lamellen Einfluss auf Tonhöhe und Klangfarbe. Die kürzeren Lamellen erzeugen hohe Töne und die langen Lamellen tiefere Töne.

Wie spielt man eine Kalimba?

Eine Kalimba wird normalerweise mit beiden Händen gehalten, während die Lamellen mit den Fingernägeln der Daumen gespielt und somit zum Schwingen gebracht werden. 

Sie können aber auch mit den Fingernägeln der Zeigefinger gezupft werden.

Ist Kalimba lernen schwer?

Du kannst die Kalimba auch ohne Notenkenntnisse leicht erlernen und dabei nach Lust und Laune drauflosspielen. Es muss am Anfang auch nicht unbedingt ein ganzes Lied sein, das du spielst. Das Instrument ist wie eine Handpan intuitiv erlernbar und es bereitet vielen Menschen Freude. 

Da eine Kalimba bereits vorgestimmt ist, kannst du direkt mit dem Üben loslegen, sobald du sie gekauft hast.

Die Kalimba ist zum Beispiel ein leicht erlernbares Instrument für Kinder, wenn sie eine geringe Anzahl an Lamellen besitzt.

Wie wird ein Lamellophon gestimmt?

Eine Kalimba wird gestimmt, indem die Lamellen einfach vor- oder zurückgeschoben werden. Dabei verkürzt oder verlängert sich der zu schwingende Anteil. Wird der Anteil verkürzt, wird ein höherer Ton beim Zupfen erzeugt. Wird er verlängert, wird ein tiefer Ton erzeugt. Zum Bewegen der Lamellen wird ein Stimmhämmerchen oder eine kleine Zange verwendet, sobald die Halterung ein wenig gelockert wurde.

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Kalimba kaufen: Wie teuer ist eine Kalimba?

Kalimbas erhältst du in unterschiedlichen Qualitäten und in zahlreichen Ausführungen. Dementsprechend variabel sind auch die Preise. Für hochwertige Modelle von Hokema musst du beispielsweise 45 EUR bis 150 EUR ausgeben, für weniger bekannte Hersteller um die 15 EUR bis 50 EUR.

FAQ zur Kalimba

Eine Kalimba ist ein Musikinstrument aus der Reihe der Zupfidiophone, die zu den Selbstklingern gehören, den sogenannten Idiophonen. Sie stammt ursprünglich aus Afrika und besteht aus einem Resonanzkörper aus Holz oder anderem Material, auf dem auf einem Steg Lamellen befestigt sind. Die Modelle variieren je nach Anzahl der Lamellen und den Materialien des Instrumentes.

Die mit einer Kalimba erzeugten Töne besitzen eine wunderschön warme, exotische Klangfarbe in einer einzigartigen Klanglandschaft, die uns in ferne Welten bringt, fernab vom Alltag. Aufgrund der warmen Tonfarben werden Kalimbas auch in der Musiktherapie eingesetzt sowie in Yoga und Meditation.
Autoreninformation
Milan Serwene
Milan Serwene

Milan hat 2017 das Handpan-Portal gegründet. Mit seinen umfangreichen Ratgebern hilft er allen Interessierten, sich in der Handpan-Welt zurechtzufinden. Er unterstützt mit informativen Blogbeiträgen und Interviews Handpan-Spieler*innen und -Hersteller*innen. Mittlerweile ist das Handpan-Portal als Teil eines großen Netzwerks die größte Internetseite in der Szene.

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